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Steuer-Webinar

In unserem „Steuer-Webinar“ (Aufzeichnung des Zoom-Meetings vom 08.07.2021) in Zusammenarbeit mit e-fellows.net erklärt Steuerexperte Raymond Kudraß in ca. 45 Minuten vieles interessantes zum Thema Studienkosten, Steuern, Verlustvortrag und -verrechnung (Minute 02:43 – 54:37). Im Anschluss erfolgte noch eine Fragerunde mit den Webinar-Teilnehmern.

Zur aktuellen Rechtslage

Studierende sollten sich von Presse-Überschriften wie die auf Tagesschau.de vom 23.07.2020 „Studium nicht von der Steuer absetzbar“ nicht abschrecken lassen!

Lasst euch in keinem Fall im Vorhinein davon abhalten, eure Studienkosten zu ermitteln und ggf. geltend zu machen.

Die aktuelle Rechtslage lässt sich in folgendem Überblick zusammenfassen:

Wann gilt eine Erstausbildung als abgeschlossen?

Seit dem 01.01.2015 gilt eine Mindestausbildungsdauer von zwölf Monaten. Mit dem Bachelorzeugnis gilt auch bei einem Erststudium eine berufliche Erstausbildung als abgeschlossen. Sämtliche weiteren Studienkosten sind dann als Werbungskosten zu klassifizieren, also z.B. bei einem Doppelbachelor auch das zweite Bachelorstudium nach dem Zeugnis für den ersten Bachelorabschluss.

Welche Kosten können abgesetzt werden?

  • Arbeitsmittel (Schreibtisch, Stuhl, Regal, Computer, Telefon- und Internetgebühren, Mobiltelefone, Software, IT-Geräte, …)
  • Auslandspraktika / Auslandsstudienaufenthalte
  • Fachliteratur
  • Fahrtkosten: Wohnung – Ausbildungsort und Lern-/Arbeitsgruppen
  • Studien und Lehrgangsgebühren einschl. Verwaltungskosten
  • Umzugskosten (u.a. Transportkosten für Möbel, Makler, ggf. Pauschalen)
  • Unterkunftskosten
    • bei Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung
    • bei vorübergehendem Besuch einer auswärtigen Bildungeinrichtung
  • Verpflegungsmehraufwendungen

Die Höhe der über die Studienjahre kumulierten Studienkosten vor allem bei zahlreichen verschiedenen Ausbildungsstätten im Inland und Ausland (Praktika, Arzt im Praktischen Jahr, Auslandsemester etc.) sind nicht zu unterschätzen. Oft ergeben sich hier alleine durch die Unterkunftskosten und Verpflegungsmehraufwendungen deutlich fünfstellige Beträge.

Wie lange zurück können die Studienkosten noch geltend gemacht werden?

Für Anträge auf gesonderte Verlustfeststellung gilt eine siebenjährige Verjährungsfrist:

Bis Ende 2022 können also noch rückwirkend die Studienkosten der Jahre bis einschl. 2015, 2016 und 2017 geltend gemacht werden! Voraussetzung ist lediglich, dass noch keine Einkommenssteuererklärung abgegeben wurde und ein Verlust resultiert. Vor dem Hintergrund, dass die Siebenjahresfrist jederzeit auch unterjährig abgeschafft werden kann, wird aber dringend empfohlen, die weiteren Studienkosten für diese Jahre so früh wie möglich geltend zu machen.

Achtung: 2015 verjährt unweigerlich am 31.12.2022!

Anträge auf Verlustfeststellung für die Jahre 2015, 2016 und 2017 sollten daher unbedingt schnellstmöglich gestellt werden!

Für die Jahre 2018-2021 gilt die normale vierjährige Verjährungsfrist für Einkommenssteuererklärungen. Für die Veranlagungen ab 2018 ist ggf. eine Verschärfung hinsichtlich der Abgabefrist mit der Folge etwaiger Verspätungszuschläge zu beachten.

Für wen lohnt sich die mögliche Absetzbarkeit der Studienkosten tendenziell nicht?

Da die Studienkosten jeweils mit den laufenden steuerpflichtigen Einkünften des betreffenden Jahres zu verrechnen sind, lohnt sich die Absetzbarkeit der Studienkosten oft dann nicht, wenn zur Finanzierung des Studiums gearbeitet werden musste und nach Verrechnung keine oder nur äußerst geringe Verluste geltend machbar sind.

Zu beachten ist ferner die „Steuerfalle“, die darin besteht, dass das erste Berufseinkommen nach dem Studium bei einem Arbeitsbeginn im September oder Oktober des Abschlussjahres aufgrund des Grundfreibetrages und der normalen sonstigen Werbungskosten und Sonderausgaben meist ohnehin steuerfrei gestellt werden kann. Da ein kumuliert zur Verfügung stehender Verlustvortrag aber mit diesen Einkünften zu verrechnen ist, lohnt sich die Geltendmachung der Studienkosten nur, wenn nach dieser Verrechnung im Abschlussjahr ein mindestens fünfstelliger Verlustvortrag zur Verrechnung mit dem im nächsten Jahr erzielbaren ersten Gesamtjahreseinkommen verbleibt.

Fehlende Belege?
Diese sind oft nicht das entscheidende Problem, da zum einen zahlreiche Pauschalen gelten und zum anderen Mietnachweise der Vermieter, Studiengebühren der Universitäten und die Kontoauszüge von den Banken meist auch nachträglich beschaffbar sind.

Sollten Fragen zum Thema Absetzbarkeit von Ausbildungskosten oder zur aktuellen Gesetzeslage bestehen, bieten wir im Rahmen eines in der Regel halbstündigen telefonischen Erstberatungsgesprächs an, Klarheit zu schaffen. Aufgrund unserer Erfahrungen sind wir in der Lage, auch das Ob und die Höhe einer möglichen Steuerrückerstattung zu benennen. Gerne bieten wir auch persönliche Beratungsgespräche an, die sich keineswegs nur auf die Fragen zur Absetzbarkeit der Studienkosten beschränken müssen. Für eine erste Kontaktaufnahme stehen wir sehr gerne telefonisch zur Verfügung.

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